Erbschaft mit Schulden: Soll ich bedingt oder unbedingt antreten?

Mag. Nevena Shotekova-ZöchlingAutorin: Mag. Nevena Shotekova-Zöchling, Rechtsanwältin und Insolvenzverwalterin in Wien ·

Bei einer unbedingten Erbantrittserklärung haften Sie persönlich für alle Schulden des Verstorbenen, auch wenn der Nachlass nicht reicht (§ 801 ABGB). Bei einer bedingten Erbantrittserklärung wird ein Inventar errichtet, und Sie haften nur so weit, als der Nachlass reicht (§ 802 ABGB). Die Erklärung ist unwiderruflich (§ 806 ABGB) – bei unklarer Vermögenslage ist die bedingte Erklärung meist der sicherere Weg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer unbedingten Erbantrittserklärung haftet der Erbe persönlich für alle Schulden des Verstorbenen, auch mit eigenem Vermögen (§ 801 ABGB).
  • Bei einer bedingten Erbantrittserklärung wird ein Inventar errichtet und der Erbe haftet nur so weit, als der Nachlass reicht (§ 802 ABGB).
  • Die Kosten des Inventars trägt die Verlassenschaft, nicht der Erbe persönlich (§ 802 ABGB).
  • Erbantrittserklärung und Ausschlagung sind unwiderruflich (§ 806 ABGB); bei unklarer Vermögenslage ist die bedingte Erklärung meist der sicherere Weg.
  • Ein ausgeschlagener Erbteil wird auf den Geldpflichtteil angerechnet (§ 780 ABGB).

Bedingt, unbedingt oder ausschlagen?

UnbedingtBedingtAusschlagung
Haftungunbeschränkt, auch mit eigenem Vermögenbegrenzt auf den Wert des Nachlasseskeine
Inventarnicht zwingendzwingend, auf Kosten des Nachlasses–
Erbschaftjajanein, der Anteil geht an die Nächstberufenen

Die bedingte Erklärung macht das Verfahren etwas aufwendiger, weil das Gericht ein Inventar errichten lässt. Die Kosten dafür trägt nach § 802 ABGB die Verlassenschaft, nicht Sie persönlich.

Rechenbeispiel

Nachlass: Wohnung € 180.000, Konto € 10.000. Später stellt sich ein Bürgschaftsdarlehen von € 250.000 heraus.

ErklärungErgebnis für den Erben
Unbedingthaftet für € 60.000 Fehlbetrag mit eigenem Vermögen
Bedingthaftet nur bis zum Nachlasswert von € 190.000; den Fehlbetrag tragen die Gläubiger
Ausschlagungerhält nichts, haftet nicht

Ohne die spätere Bürgschaft hätte die bedingte Erklärung dagegen den vollen Nachlass gebracht. Genau das ist ihr Vorteil: Sie müssen die Schuldenlage beim Antritt nicht vollständig kennen.

Der typische Fehler: reflexartig ausschlagen

Viele Angehörige schlagen aus, sobald sie von Schulden hören. Oft stellt sich später heraus, dass Liegenschaften, Lebensversicherungen oder Guthaben den Schuldenstand übersteigen. Die Ausschlagung ist unwiderruflich (§ 806 ABGB), der Anteil geht dann meist an Ihre Kinder oder andere Verwandte, die ihrerseits entscheiden müssen.

Umgekehrt ist auch die unbedingte Erklärung gefährlich, wenn sie nur gewählt wird, um das Verfahren zu beschleunigen.

Fristen und überschuldete Nachlässe

Der Gerichtskommissär fordert die möglichen Erben zur Erklärung auf. Die Frist beträgt mindestens vier Wochen, aus wichtigen Gründen ist eine Überlegungsfrist von bis zu einem Jahr möglich (§ 157 AußStrG).

Ist der Nachlass klar überschuldet, kommen zwei Wege in Betracht: die Überlassung der Aktiven an die Gläubiger an Zahlungs statt, sofern niemand unbedingt angetreten hat (§ 154 AußStrG), oder ein Insolvenzverfahren über die Verlassenschaft. Beides schützt das eigene Vermögen der Angehörigen.

Häufige Fragen

Kann ich später von unbedingt auf bedingt wechseln?

Nein, § 806 ABGB schließt das ausdrücklich aus.

Erbe ich auch Steuerschulden oder Kreditschulden?

Ja, grundsätzlich gehen alle vermögensrechtlichen Verbindlichkeiten auf die Erben über.

Verliere ich bei Ausschlagung auch meinen Pflichtteil?

Nicht automatisch. Der ausgeschlagene Erbteil wird aber auf den Geldpflichtteil angerechnet (§ 780 ABGB). Ein Pflichtteilsanspruch bleibt daher nur, soweit der ausgeschlagene Erbteil geringer war als der Pflichtteil. Klären Sie das vor der Erklärung.

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Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über die österreichische Rechtslage und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.